Schulungsbericht NX Workshop

Veröffentlicht am Apr 13, 2016 in Aktuelles

Artikel_MPE
Unser CAD Trainer & Consultant Daniel Wendler wurde im vergangenen Jahr zwei Mal für das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) eingesetzt, um NX Workshops zu halten. Bei der Themenabsprache im Vorfeld stellte sich heraus: Bei der Baugruppe handelte es sich um Teile eines Teleskopes, welches 2017 ins All geschossen werden soll. Das Interesse war geweckt!

Nach dem zweiten Workshop im Institut in Garching kam unser Trainer völlig begeistert zurück. Für uns hat er seine Eindrücke von dieser ganz besonderen Erfahrung festgehalten.
 

Juni15
Wie immer fing alles ganz harmlos an: den 2-tägigen NX-Vertiefungsworkshop mit Teilnehmern des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) sollte ursprünglich ein Kollege machen. Da er dann aber doch anderweitig eingesetzt wurde, schrieb er mir eine Email mit den Worten „Machet, Junge“. Also machte ich…

Nachdem ich mit einem Teilnehmer telefonierte und anschließend die Baugruppe erhielt, war ich sichtlich beeindruckt, wie sauber und stabil das mir zugeschickte Modell aufgebaut war. Schließlich hatten die späteren Teilnehmer des Workshops lediglich einen NX-Grundkurs besucht.
 
Im Workshop in unserem Schulungszentrum Schönaich wurden schließlich u. a. die folgenden Themen besprochen:

  • Parametrische Konstruktion von Baugruppen
  • Teilefamilien
  • Wiederverwendungsbibliothek
  • Besprechung von für das MPE günstige Konstruktionsmethodiken

 
Exemplarisch konstruierten wir eine Baugruppe mit mehreren Spiegeln, die das später empfangene Licht in die gewünschte Richtung reflektieren, bis es endlich auf dem Detektor der Kamera ankommt. Dabei achteten wir darauf, dass ein Verstellen eines Spiegels eine entsprechende Verstellung des Detektors verursachte. Dadurch konnte demonstriert werden, dass eine parametrische Konstruktion anfangs vielleicht etwas Hirnschmalz verlangt, letztendlich aber viel Zeit, Mühe und Nerven sparen kann.

Bei all dem Ernst blieb aber auch der Spaß nicht auf der Strecke. Ich erinnere mich noch gut, wie ich die Teilnehmer fragte, ob sie denn auch mit Außerirdischen zu tun hätten. Ihre Antwort, dass sie es zwar selbst nicht genau wüssten, im Keller aber eine Tür hätten, hinter der es von Zeit zu Zeit etwas rumpeln würde, werde ich wohl so schnell nicht mehr vergessen…
 
November15

Als dann für November 2015 ein weiterer, diesmal 5-tägiger, Workshop beim MPE in Garching bei München geplant war, wurde direkt nach mir als Trainer gefragt. Sowas erfüllt mich schon mit einem gewissen Stolz! Beim Vorabtelefonat fragte ich natürlich nach der Tür und ob ich da mal dahinter schauen dürfte. Die Antwort war: „Na, schauen wir mal, wie Sie sich im Workshop machen“. Wenn das mal nicht motiviert!
 
Auf der Agenda standen dieses Mal folgende Themen:

  • Vertiefung von Skizzenbefehlen und –methoden
  • Möglichkeiten der Vereinfachung von großen Baugruppen
  • Deformierbare Komponenten
  • Allgemeine hilfreiche Arbeitserleichterungen uvm.

 
In Garching angekommen fand ich einen riesigen Campus von verschiedenen Max-Planck-Instituten vor; Wissenschaft pur! Schon beeindruckend, wieviel „Brain power“ dort zentriert wird (auch das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik und das Max-Planck-Institut für Astrophysik und andere sind in Garching zu finden). Am Eingang wurde ich auch gleich von einem Teilnehmer des ersten Workshops in Empfang genommen und in den Schulungsraum geführt. Allein der Weg dorthin beeindruckte mich ob der vielen ausgestellten Exponate.

Im Schulungsraum stellte sich für mich heraus, dass wohl die gesamte Konstruktionsabteilung am Workshop teilnehmen würde. Schade fand ich allerdings, dass mir das MPE einen Trainerlaptop zur Verfügung gestellt hat. Schließlich hatte ich mir den Spaß erlaubt, auf meinem eigenen Laptop das berühmte Poster der TV-Serie „Akte X – I want to believe“ als Hintergrundbild einzurichten. Als ich dies den Teilnehmern gegenüber erwähnte, war das Gelächter groß und das Eis gebrochen. Anschließend arbeiteten wir unsere geplante Agenda jeden Tag ab, wobei naturgemäß viele Fragen auftauchten, welche wir dann auch besprachen.

Abends nach dem Workshop wurde mir dann das Institut vorgestellt. Ich erfuhr beispielsweise, dass es bei einem früheren Projekt (an welchem das MPE mitwirkte) mit einer Entwicklungszeit von ca. 9 Jahren und Entwicklungskosten um die 1,2 Mrd. Euro vorgekommen sei, dass der Rechner einer Sonde nicht zur geplanten Zeit, sondern erst eine Stunde später ein Signal sendete. Was die Projektbeteiligten in dieser einen Stunde fühlten, vermag ich mir nicht einmal ansatzweise auszumalen. Diese eine Stunde muss ihnen unendlich lange vorgekommen sein; alles relativ eben.

DW_3D_Komet

Per 3D-Druck erzeugter Komet, auf dem die Ladeeinheit Philae der Sonde Rosetta landen sollte.

Da die trotz Ultraleichtbau auf der Erde eine Gewichtskraft von ca. 100 kg aufweisende Landeeinheit auf diesem kleinen Kometen (in der längsten Ausdehnung ca. 4 km kurz) nur ca. 0,5 g (Gramm!) betrug, würde die Landeeinheit also bei der geringsten Berührung am Kometen abprallen und in den Weiten des Alls verschwinden. Um dies zu verhindern, wurde eine Harpune entwickelt, die kurz vor der Landung der Landeeinheit in den Kometen geschossen werden sollte, um mit einem kleinen Seil die Landeeinheit an den Kometen zu ziehen (wohlbemerkt: sollte).
 

Leider zündeten aber sowohl die Harpunen als auch ein Kaltgassystem nicht, die das Abprallen hätten verhindern sollen. Nur durch Glück blieb die Landeeinheit nach zwei Sprüngen an einem Hinterschnitt des Kometen hängen. Einige Untersuchungen konnte die Landeeinheit Philae erfolgreich abschließen. Allerdings herrschten am tatsächlichen Landepunkt andere Lichtverhältnisse als am vorhergesehenen Landepunkt, so dass die Batterien nicht wie geplant aufgeladen werden konnten. Daher konnte leider keine Langzeituntersuchungen durchgeführt werden.
 
Insgesamt kann die Mission Rosetta aber als großer Erfolg gewertet werden, da die Hauptsonde auch weiterhin um den Kometen kreist und ihn analysiert.
 

Harpune

Trainer Daniel Wendler durfte die Harpune hautnah bestaunen.

 
eROSITADie Woche verging wie im Flug (relativ für mich) und so kam der letzte Tag des Workshops. Mein Glück war, dass sich das Konsortium des Projektes „eROSITA“ für die kommende Woche angekündigt hatten. Daher wurde das gesamte Teleskop im Reinraum ausgestellt.
Für mich besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass 2017 genau dieses eine Teleskop ins Weltall geschossen wird. Kein Nachbau, keine Kopie: genau DIESES EINE!

Diese beiden Workshops waren mein persönliches Highlight des Jahres 2015, an das ich mich sicher noch lange erinnern werde!
 

Über das Institut

Das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) befasst sich mit Themen der modernen Astrophysik und Weltraumplasmaphysik, wobei überwiegend experimentelle, aber auch theoretische Methoden angewandt werden.

Seinen Namen hat es einerseits vom Gegenstand der Forschung, nämlich der Physik des Weltraums, andererseits von der Forschungsmethode, da viele der Experimente notwendigerweise oberhalb der dichten Erdatmosphäre mit Ballonen, Flugzeugen, Raketen, Satelliten und Raumsonden ausgeführt werden müssen. Soweit möglich, werden aber auch Instrumente an erdgebundenen Teleskopen eingesetzt. Ergänzt werden die Untersuchungen durch Experimente im Labor.

Bei den theoretischen Arbeiten sind die datenbezogenen Anwendungen, die Untersuchung fundamentaler physikalischer Prozesse und die Entwicklung von Methoden von primärer Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass manche der Methoden auch auf andere Forschungsgebiete und Anwendungen übertragen werden können.
 
 
logo_MPE_Text_Pantone_96dpiMax-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Giessenbachstrasse 1
85748 Garching

www.mpe.mpg.de